COVID 19-Update: Die Verlängerung des zweiten Corona-Lockdowns durch die Beschlüsse von Bund und Ländern der Bundesrepublik Deutschland zwingt uns leider zum sofortigen Abbruch der Saison 2020. Wir bedauern es sehr, dass wir Sie und Euch in diesen schweren Zeiten der Krise nicht bei uns begrüßen dürfen. Wir wünschen von Herzen Gesundheit! Die Planungen für die Spielzeit 2021 laufen weiter...

+++ STATEMENT +++

Zweiter Corona-Lockdown

  

 
Im November 2020* bleibt der Vorhang auch am Theater Junge Bühne Mainz geschlossen und die Bühne dunkel. So ist die politische Beschlusslage. Dadurch gelangen "WOYZECK", "FRÜHLINGS ERWACHEN", "PETER PAN" und sämtliche weiteren Produktionen des Theaters Junge Bühne Mainz im November nicht zur Aufführung. Diesmal bleibt auch der "Digitale Theatersaal" geschlossen! Die Umsetzung der neuen politischen Beschlüsse bedeutet für die Kulturszene erneut Stillstand für mindestens einen Monat. Dieser Stillstand muss nun als Warnsignal für einen dringend erforderlichen Strategie-Wechsel real und virtuell spürbar sein! Da die COVID-19-Pandemie nachweislich auch nach diesem zweiten Lockdown nicht beendet sein wird, brauchen wir JETZT & DRINGEND für die UNMITTELBARE ZUKUNFT neue und effektive Strategien für ein öffentliches und kulturelles Leben mit dem Coronavirus SARS-Cov2.

Lockdowns bieten keine Perspektive für die Zukunft! Im Gegenteil: Sie verhindern das nachhaltige Gestalten unser aller Zukunft! Die jetzt wieder geschlossenen Branchen (Theater, Kultur, Museen, Gastronomie, Freizeiteinrichtungen, Schaustellerei etc.) haben mit viel Sorgfalt hervorragende Hygienekonzepte entwickelt und in den letzten Wochen und Monaten gewissenhaft und erfolgreich umgesetzt sowie umfangreich in die Sicherheit ihres Publikums bzw. ihrer Kundschaft und ihrer Mitarbeiter:innen investiert. Die Darlegung der regierenden Politiker:innen auf Bundes- und Landesebene, dass 75 Prozent der Infektionen nicht mehr als Infektionskette rückverfolgbar seien, bedeutet keinesfalls, dass Theater und Gastronomie trotz funktionierender Hygienekonzepte für die steigenden Infektionszahlen verantwortlich sind. Genau dieser Eindruck wird aber durch irreführende Formulierungen wie etwa "In der gegenwärtigen Lage können die Hygienekonzepte ihre Wirkung nicht mehr entfalten" (mehrfach auf der Pressekonferenz nach Lockdown-Beschluss so formuliert) erweckt. Tatsache bleibt immer noch: Dass keine Infektion in Deutschland nachweislich auf Theater- oder Konzertveranstaltungen zurückzuführen ist. Und Nachweisbarkeit ist in unserer Rechtsprechung eigentlich das entscheidende Element.

 
Für die Zukunft bleibt festzuhalten, dass man diese Pandemie nicht dadurch beenden kann, dass man dort ansetzt, wo sich sowohl die Unternehmen als auch die Kund:innen, Zuschauer:innen und Gäste dieser Einrichtungen nachweislich an alle erforderlichen Hygiene- und Sicherheitsauflagen halten.
 
Als Theaterschaffende möchten wir an dieser Stelle zudem betonen, dass wir mit Verwunderung und Unverständnis zur Kenntnis nehmen, dass die politischen Entscheidungsträger:innen in ihren Begründungen und Darlegungen der neuen Lockdown-Beschlüsse Theater und Bühnenhäuser lediglich als "Freizeiteinrichtungen" einstufen und betiteln. Als Theater mit umfangreichem Repertoire klassischer und moderner Stoffe und Themen sind wir genau wie unzählige weitere große und kleine Bühnen insbesondere auch außerschulischer "Lehr- und Lernort", arbeiten eng mit Bildungseinrichtungen wie Schulen, Universitäten und Seminaren zusammen und leisten Jahr für Jahr, Saison für Saison und Produktion für Produktion Beiträge zur praxisorientierten Bildung und zur aktiven Diskussion brisanter, gesellschaftlicher Themen. Dies darf von der Politik und den Regierenden einer Demokratie nicht ignoriert werden.
Es ist beschämend, dass in der Bundesrepublik Deutschland Kunst und Kultur nach wie vor lediglich den Rang einer "freiwilligen Leistung" haben. Es ist höchste Zeit, dass Kunst und Kultur gleichrangig mit der Religionsfreiheit (ein wertvolles und wichtiges Gut) oder dem Demonstrationsrecht (ein wertvolles und wichtiges Gut) behandelt werden.
 
Und um dies nochmal ganz klar zu sagen: Ja, das Coronavirus SARS-Cov2 und die durch dieses ausgelöste Krankheit COVID-19 sind eine lebensbedrohliche Gefahr, die gewissenhaftes Handeln mit angemessenen und verhältnismäßigen Einschränkungen im öffentlichen Leben erfordert. Aus diesem Grund möchten wir ausdrücklich herausstellen, dass wir absolut nachvollziehen können, dass Kulturveranstaltungen aktuell nicht auf die Art und Weise durchgeführt werden können, wie dies vor der Pandemie möglich war. Aber unter gewissenhaft umgesetzten und effektiven Hygiene- und Sicherheitsauflagen muss kulturelles, öffentliches Leben dringend wieder ermöglicht werden, denn:
 
"Kultur ist kein Sahnehäubchen, sondern die Hefe im Teig."
Grußwort des Bundespräsidenten Johannes Rau aus Anlass von “Jugend musiziert“ am 15. Juni 2000 in Berlin
 
Höchste Zeit, diese Beurteilung unseres ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau auch politisch umzusetzen!
 
Die Theaterleitung, das Ensemble und die Mitwirkenden des Theaters Junge Bühne Mainz GbR

Mainz, den 30. Oktober 2020


* Aufgrund der am 25.11.2020 von Bund und Ländern der Bundesrepublik Deutschland beschlossenen Verlängerung des zweiten Corona-Lockdowns sind wir leider gezwungen, die gesamte restliche Saison 2020 abzubrechen und den Spielbetrieb einzustellen.

 

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